Dienstag, März 26, 2019

Zahl der Messen je Seelsorgeeinheit - kein mathematisches Problem

Ein Klient berichtete mir per mail:
> Ein Schulfreund von mir ist aktives Kirchenmitglied einer Pfarrgemeinde im > Erzbistum Köln, deren Pfarrer Dekan ist und in der Gruppe "Pastorale > Zukunft" arbeitet. Der erzählte mir, dass in seiner Pfarrei der Hirtenbrief > vom Dekan so ausgelegt wird, dass am Sonntag inkl. Vorabendmesse in naher> Zukunft in einer Seelsorgeeinheit nur 1 Sonntagsgottesdienst gefeiert wird. > Die Gläubigen aus allen Kirchensprengeln  dieser Einheit versammeln sich in > nur einer Kirche zum Sonntagsgottesdienst. Ich habe dies ungläubig zur > Kenntnis genommen.
Meine Antwort:

Ich halte das für nicht vollkommen abwegig - jenseits aller pastoralen Bemäntelungen wird deutlich, dass die derzeit erarbeiteten Restrukturierungskonzepte sich an der Frage ausrichten, wie viele als Pfarrer geeignete Priester man im Jahre X haben wird, wobei X erstaunlich häufig ca. 2 Jahre nach dem 75. Geburtstag des Bischofs liegt und damit für denselben bedeutet, dass er dann in Rente sein wird. Damit ist abzusehen, dass es je Seelsorgebereich ca. 1,5 Priester geben wird, ein Priester darf am Sonntag zwei Mal zelebrieren, in Notzeiten auch drei Mal. Die deutsche  Bischöfe haben schon vor Jahren festgestellt, dass wir uns in einer solchen Notlage befinden, aber gut ist das nicht. Eucharistie ist theologisch gesprochen Höhepunkt des christlichen und auch des priesterlichen Lebens, und  sie sollte das auch für die konkrete Gemeinde und den konkreten Priester sein. Das geht aber schlicht nicht, wenn der Zelebrant von Altar zu Altar rennt. 

Ich meine daher, dass die die dritte Zelebration auf gar keinen Fall eingeplant werden darf, sie mag hier und da nötig sein, wenn der geplante Zelebrant kurzfristig ausfällt. Aber auch für die zweite Zelebration kann das Gesetzbuch nicht so gelesen werden, als solle man diese 
allsonntäglich vorsehen, sie kann aber bei Bedarf eingeplant werden.

Damit ist die Zahl der Sonntagsmessen in den Pfarreien klar limitiert, und zwar weit enger, als wir das bisher gewohnt sind. Bischof Woelki zieht meines Erachtens nach einen Schluss, der lange überfällig war: Ersetzen wir Masse durch Klasse, eine ordentlich vorbereitete und würdig gefeierte Messe gerahmt durch andere liturgische Feiern (Wortgottesdienste und 
Stundengebet) bedeuten zwar eine Umstellung, aber es kann zu einer Bereicherung führen. 

Die Eucharistie verliert dabei äußerlich an Bedeutung, aus dem einsamen Berg "Messe" wird der höchste Gipfel einer Berggruppe liturgische Feier, und es mag Wanderer geben, die häufiger die niedrigeren Gipfel erklimmen. Dass das so werden könne, das hat die Bischöfe lange dazu 
veranlaßt, den einen Berg so alleine stehen zu lassen wie es nur geht - Wortgottesdienste am Sonntag wurden lange angelehnt, weil da etwas verloren gehen könnte.

Das führte aber umgekehrt dazu, dass wir das gemeinsame Beten ohne Wandlung auf dem Altar ein wenig aus dem Blick verloren haben - kein Besinnungstag, keine katholische Konferenz konnten ohne Hl. Messe stattfinden, diesen Eindruck konnte man in den 1980ern und 1990ern haben, danach nahm das dann wieder etwas ab.

In einem Punkt aber widerspreche ich Bischof Woelki: Alle Erfahrungen zeigen, dass die Katholiken einer Einheit sich nicht alle an einem Ort und zu einer Zeit versammeln werden. Sie werden in ihre Kirche gehen, wenn da zur gewohnten Zeit gebetet wird. Erstaunlich vielen ist es dabei eher egal, ob da nun der Priester einer Eucharistie vorsteht oder ob in anderer Form feierlich gebetet wird. Man mag das bedauern, aber der stetig vorgetragene Hinweis einiger Bischöfe, die Menschen führen ja auch zum Einkaufen ein gutes Stück, zieht nicht. Ob es uns nun gefällt oder nicht - Menschen fahren für Lebensmittel ins nächste Dorf und für Kleidung in die nächste Stadt, Gottesdienst aber feiern sie am vertrauten Ort oder eben nicht. Gottesdienst scheint etwas anderes zu sein als Brötchen kaufen!

Es sind spannende Zeiten. Wir erleben - das wird immer deutlicher - das Ende einer Kirchenform, die mit der römischen Reichskirche im 4. Jahrhundert begründet wurde und immerhin 1.500 Jahre funktioniert hatte. Aber sie funktioniert nicht mehr - die Kirche wird deshalb nicht untergehen, aber sie verändert sich grundlegend.

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