Sonntag, Oktober 08, 2017

Ehekatechumenat - eine unpassende Bezeichnung für etwas sinnvolles

In der zurückliegenden Woche habe ich an der Wissenschaftlichen Fachtagung Ius semper reformandum - Reformvorschläge aus der Kirchenrechtswissenschaft, in Fachkreisen auch nach ihrem Tagungsort als Hirschbergtagung genannt, teilgenommen. Die Themen waren so breit gefächert, wie der Titel es erwarten ließ, und für meinen Teil kann ich sagen, dass ich viele Ideen und Anregungen mitgenommen habe.

Ein Thema, dass sich durch verschiedene Referate zog, war - nach Amoris Laetitae kaum verwunderlich - die Frage nach der Ehevorbereitung. Derzeit besteht diese in ihrem verpflichtenden Teil auf das sogenannte Brautexamen. Dies ist anders als der Name vermuten lässt keine Prüfung der Braut, vielmehr ist es ein Gespräch zwischen dem trauenden Priester und den Brautleuten, bei dessen Gelegenheit das Ehevorbereitungsprotokoll ausgefüllt wird, ein Fragebogen, der dazu dient, vorab festzustellen, ob der angestrebten Ehe etwas (zum Beispiel eine Vorehe oder verschiedene Konfessionen der Brautleute) im Wege steht, dass gegebenenfalls ausgeräumt werden kann. Auch werden in groben Zügen die wesentlichen Erwartungen der Kirche an Eheleute angesprochen und abgefragt, also Treue, Unauflöslichkeit der Ehe und die Offenheit der Brautleute gegenüber Nachkommen. Bei dieser Gelegenheit wird dann auch meist die Trauungsfeier selbst besprochen.

Es ist sinnvoll - und wird vermutlich von vielen Priestern auch so gehandhabt - an dieser Stelle über die Ehe selbst zu sprechen, über die Erwartungen der Brautleute an das Zusammenleben, über ihre bisherigen Erfahrungen und die keinesfalls unwesentliche Frage, wie man mit Unterschieden und Konflikten umgeht. Dies ist in einem Gespräch begrenzter Dauer in nur sehr überschaubarer Weise möglich, daher gibt es Angebote der Fachstellen für Ehe- und Familienpastoral, diese Themen tiefer anzugehen, das kann ein Besinnungstag, ein Wochenende oder auch ein längerer Kurs sein. Auf diese Angebote sollte anlässlich des Gespräches hingewiesen werden.

Nun gibt es seid längerem schon den Wunsch, dieses Angebot auszubauen und verbindlicher zu gestalten. Ähnlich wie vor Erstkommunion und Firmung sollten - so die Idee - Brautleute verpflichtet werden, sich miteinander und mit anderen auszutauschen über die Lehre der Kirche und die eigenen Erwartungen und so auf das Wagnis Ehe vorzubereiten. Denn ein Wagnis ist es, sich an einen anderen Menschen sein Leben lang zu binden, und nicht immer (in fast der Hälfte der Fälle) geht es gut. Hinter dem Gedanken einer verpflichtenden Forstbildung steht nicht weniger als die Hoffnung, dass man solchen Erfahrungen des Scheiterns vorbeugen kann, indem man lernt, miteinander über die eigenen Erwartungen zu sprechen, dass man sich der Grenzen der Ehe besser bewusst wird, dass man sich mit anderen über die eigenen Erfahrungen austauscht und so fort.

Das alles ist wie ich eine ein guter Gedanke - und doch meine ich, das alles das nicht Katechumentat genannt werden sollte. Katechumenat ist die Hinführung zum Glauben der Kirche in Theorie und Praxis. Es findet hierzulande - wo die meisten als Babys getauft oder nicht getauft werden - statt vor allem als Erstkommunion- und Firmkatechese. Hier hat der Begriff seine volle Berechtigung.

Für die Vorbereitung auf eine Lebensform in der Kirche (Klerikerstand, Ordensstand, Ehestand) sind Vorbereitungen vorgesehen - im Fall der Kleriker ein mehrjähriges Leben im Priesterseminar verbunden mit einem Hochschulstudium, im Fall der Ordensleute durch ein mehrjähriges Mitleben im Orden, Postulat und Noviziat genannt. Von einem Klerikerkatchumenat oder einem Ordenskatechumenat spricht hier niemand. Ich halte dies auch für gerechtfertigt, weil hier durch Taufe und Firmung mündige Christen sich auf einen Lebensstand vorbereiten, während diejenigen, die sich auf die volle Aufnahme in die Kirche vorbereiten, eben dies nicht sind. Und hier spielt es keine Rolle, ob es sich um Schüler der dritten Klasse oder Bewerber um die Erwachsenentaufe handelt - sie werden als Katechumenen in einen Glauben hineingeführt, den sie eben erst kennen lernen müssen.

Angehende Priester und Ordensleute mögen im Zuge ihrer Vorbereitung ihre Kenntnisse vertiefen, sie werden am Ende nicht augenommenerer sein als andere, nicht tiefer in die Geheimnisse hineingeführt als andere, sie werden "lediglich" in einen anderen Stand aufgenommen werden. Dies ist bei Eheleuten nicht anders! Daher plädiere ich sehr dafür, nicht von einem Ehekatechumenat zu sprechen. Wenn man sich an bestehende Terminologie anlehnen möchte, so scheint mir de Begriff eines Ehepostulates vor der Hochzeit und eines Ehenoviziates nach der Hochzeit passender zu sein.

Donnerstag, Februar 09, 2017

Erstkommunionvorbereitung und Sonntagspflicht

Zum Thema Kommunionkatechese kann und hat man schon viel geschrieben. Kirchenrechtler wie mich betrifft dies meist eher als Vater, bestenfalls als Katechet. Die Methoden der Vorbereitung sind höchst unterschiedliche - von der Einbettung in den Religionsunterricht über wöchentliche Gruppenstunden, sogenannte Tischmütter, gemeinsame Wochenenden bis hin zu regelmäßigen Sonnagsmessen mit vorausgehender oder anschließender Katechese, alle diese Elemenete kann man auch miteinander kombinieren, so dass der pastoralen Kreativität kaum Grenzen gesetzt zu sein scheinen.
Regelmäßig und berechtigt wird in fast allen Vorbereitungsprogrammen die Erwartung geäußert, dass die Kinder und deren Familien an der Sonntagseucharistie wöchentlich teilnehmen sollten. Auch hier ist eine Spannbreite zu beobachten - vom folgenlosen Appell bis hin zum Erfordernis eines  schriftlichen Nachweises. Nur das Einstempeln von Dienstsiegeln ist meines Wissens noch nicht beobachtet worden. Was aber geschieht, wenn dieser Nachweis fehlt, weil Kind und Familie eben nicht in der Sonntagseucharistie waren?
Ganz allgemein kann man sagen: meistens passiert nichts! Die Verantwortlichen machen deutlich, dass sie das nicht gut finden, aber deswegen ein Kind auszuschließen, das passiert dann doch nicht.
Was aber keineswegs geht, das ist, eine Erklärung für das Fernbleiben zu verlangen. Denn die Pflicht zur Mitfeier der Eucharistie ist eine so ernste, dass ihre Nichtbeachtung durchaus Grund für ein Gespräch mit einem Beichtvater sein kann. Geht hier doch nicht um das äußerliche Ableisten eines Werkes, sondern um die Pflege der Gottesbeziehung und die Verwirklichung des Christ-Seins - und damit um eine Frage, die das Gewissen des Einzelnen direkt berührt, wobei ich Gewissen verstehen möchte als jenen Ort, an dem wir in unserem Inneren Gott direkt begegnen. Eine höchst private und intime Angelegenheit, die daher auch nicht als Material in einer formell zu entscheidenden Frage herangezogen werden sollte.
Für den Kirchenrechtler ist die Angelegenheit recht einfach: Zur Eucharistie kann und muss jeder  Getaufte zugelassen werden, der rechtlich nicht daran gehindert  ist (c. 912 CIC), Kinder sind zuzulassen, wenn sie hinreichend vorbereitet sind und den Leib des Herrn ehrfurchtsvoll empfangen können (c. 913 § 1 CIC). Pastoral kann man sich gewiss nicht mit dem Minimum zufrieden geben - aber die Unzufriedenheit des Hirten ist kein Grund für einen Sakramentenausschluss.