Sonntag, November 16, 2008

Sex-Vorwürfe: Skandal-Priester jetzt in München tätig - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama

Sex-Vorwürfe: Skandal-Priester jetzt in München tätig - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama

Diese Meldung erstaunt den Fachmann mindestens ebenso wie den der Kirchenrechts unkundigen Mitmenschen. Die den Medien von mir entnommenen Fakten lassen es zumindest glaubwürdig erscheinen, dass Wolfgang Rothe ordnungsgemäß suspendiert ist, d.h. ihm ist die Ausübung jedweder priesterlicher Pflichten untersagt, auch darf er kein kirchliches Amt bekleiden. Als Priester des Bistums Sankt Pölten hat er gleichwohl Anspruch auf eine Art Grundsicherung - sie sogenannte sustentatio - die es ihm erlaubt, ein bescheidenes Leben zu führen. Diese sustenatio kann im übrigen auch als Sachleistung, z.B. als Wohnrecht, gewährt werden.

Wie aber kann es zu der im SPIEGEL geschilderten Situation kommen:

1) Die Strafe wurde aufgehoben, Wolfgang Rothe ist wieder im Dienst. Hierfür spricht nach den Presseberichten aber wenig.
2) Die Strafe wurde nicht aufgehoben, der für das Altenheim zuständige Priester hat sei es in Unkenntnis oder in Mißachtung der verhängten Strafe der Aushilfstätigkeit zugestimmt - und wird wohl für die Entlastung nicht undankbar gewesen sein.

Was auch immer geschehen ist - ich bin auf das Ergebnis der Untersuchung des Ordinariates gespannt!

Mittwoch, Juni 11, 2008

Keine Ehe für Querschnittsgelähmte?

Manche Meldungen aus der Welt des Kirchenrechts schlagen Wellen - jene hier verlinkte, dass ein italienischer Bischof einem querschnittsgelähmten Mann die Trauung verweigert habe unter Verweis auf can. 1084 § 1 CIC. Diese Entscheidung führt bei vielen nicht nur zu Unverständnis, sie trägt auch zu dem Eindruck bei, die Kirche messe dem Sex und dem Kinderkriegen mal wieder einen zu hohen Stellenwert bei.

Ich halte die Entscheidung - soweit ich sie aus der Ferne beurteilen kann - für schlicht falsch! Die Begründung ist jedoch nicht ganz einfach, scheint can. 1084 § 1 doch recht klar zu sein:
Die der Ehe vorausgehende und dauerhafte Unfähigkeit zum Beischlaf [...] macht die Ehe aus ihrem Wesen heraus ungültig.

Die uns nicht interessierenden Satzteile habe ich ausgelassen. "Unfähigkeit zum Beischlaf" heißt nichts anderes, als dass infolge körperlicher oder seelischer Probleme ein natürlicher Geschechtsverkehr, also ein Einführen des Penis in die Scheide, nicht möglich ist. Weiterhin wird verlangt, dass dieser zum Zeitpunkt der Eheschließung nicht möglich sein soll und das eine Besserung nicht zu erwarten ist. Schon diese geforderte Sicherheit kann getrost angezweifelt werden. Der Fortschritt der Medizi läßt schon alleine den Schluss nur bedingt zu, dass eine Querschnittslähmung dauerhaft sein muss, dass eine Impotenz geheilt werden könnte, ist noch weniger sicher. Ob schließlich duch intensives Bemühen der Partner eine Errektion zustande kommen kann, werden die beiden als gute Katholiken kaum wissen können. Ich komme also zu dem Schluss, dass weder die Impotenz des Mannes noch deren Dauerhaftigkeit hinreichend sicher sind. Damit ist die Hürde des 1084 § 1 nicht genommen, es wäre schon zweifelhaft, ob man eine entsprechende Ehe für nichtig erklären könnte.

Dennoch bleibt die Frage, ob der Bischof die Eheschließung verweigern darf.

Zunächst ist festzustellen, dass es ein Recht auf Ehe gibt. Can. 1058 stellt fest:

Alle können die Ehe schließen, die rechtlich nicht daran gehindert sind.

Diese Norm ist eine Konkretion der Rechts auf freie Wahl des Lebensstandes (can. 219) und des Rechts auf Empfang der Sakramente (can. 213). Jedes grundrechteinschränkende Recht unterliegt enger, das heißt wörtlicher, Auslegung (can. 18).

Es bleibt also die Frage, ob es einen Tatbestand gibt, der den Bischof verpflichtet, die Eheassistenz zu verweigern? Can. 1066 verpflichtet den assistierenden Priester, zu prüfen, ob einer erlaubten Eheschließung nichts im Wege steht. Can. 1069 verpflichtet die Partner, ihnen bekannte Hindernisse mitzuteilen. In beiden Normen geht es jedoch um solche Hindernisse, die einer Eheschließung entgegenstehen, nicht aber um Tatbestände, die unter Umständen zu einer Nichtigkeit führen könnten, Eine bestehende Ehe eines Partners wäre ein solches Hindernis, eine psychotherapeutische Behandlung, die auf einen Konsensmangel im Sinnen des can. 1095 hindeuten kann, hingegen nicht. Ähnliches gilt für eine bestehende Schwangerschaft, aus der man auf Furcht oder Zwang im Sinen des can. 1103 hindeuten kann.

Eine Liste möglicher Gründe, die Eheassistenz zu verweigern, findet sich im can. 1071 § 1 - mögliche oder sogar wahrscheinliche Hindernisse oder Konsensmängel werden hier jedoch nicht genannt.

Daher komme ich zu dem Schluss, dass das Hindernis der Impotenz nicht nur nicht sicher feststeht, die Verweigerung der Eheassistenz ist auch Unrecht, weil dem Paar sein Grundrecht verweigert wird und er Bischof seiner Amtspflicht nicht nachkommt.

Was kann das Paar nun tun?

Sie haben die Möglichketi, hierarchischen Rekurs einzulegen, d.h. die Sakramentenkongregation zu bitten, die Entscheidung des Bischofs zu überprüfen. Diesen Weg sollte sie meines Erachtens nach gehen!






Sonntag, Juni 01, 2008

Taufe, evangelisch

Gestern war ich mit den Mädels auf der Taufe von Jakob. Eine Taufe in einer evangelischen Kirche nach der lutherischen Agenda. Eine schöbe Feier, aber....

....in Sachen participatio actuosa, aktive Teilhabe der Gläubigen können die von uns noch was lernen. So schöne und von mit geschätzte Symbole wie die Kreuzzeichen und Salbungen, die die Eltern und Paten am Täufling vornehmen als Zeichen dafür, dass sie alle dieses Kind in die Kirche aufnehmen, das entzünden der Taufkerze durch ein Elternteil oder den Paten als Zeichen dafür, dass es eben diese Menschen sind, die das Licht des Glaubens an den Täufling weitergeben, alles das gab es nicht. Das machte der Pfarrer! Im übrigen ein durchaus netter und unklerikaler Mann, der wunderbar Klavier spielte - aber die Agenda fand ich eher erschreckend klerikal!

Darf man als Kanonist ja auch mal stolz sein auf das, was wir Katholiken zumindest in der Theorie schon können!

Donnerstag, Mai 29, 2008

Eheverfahren in Frankreich

Ein französisches Gericht annuliert eine Ehe mit einer Begründung, die aus einem kirchlichen Nichtigkeitsverfahren stammen könnte: Die Frau gibt vor, Jungfrau zu sein, um damit den Konsens des Mannes zu erreichen. Dieser heiratet unter der irrigen Vorstellung, seine Braut sei Jungfrau.

Kirchlich wäre nun can. 1097 § 2 des CIC einschlägig:
Ein Irrtum über eine Eigenschaft der Person macht die Eheschließung nicht ungültig, selbst wenn er für die Eheschließung ursächlich war, außer diese Eigenschaft wird direkt und hauptsächlich angestrebt.
Mir drängt sich an dieser Stelle jedoch immer die Frage auf, ob hier noch versucht wird, eine (Jung-)Frau zu heiraten, oder ob es am Ende darum geht, eine Jungfräulichkeit zu ehelichen, und man um derselben willen die Frau in Kauf nimmt. Ehe als gegenseitiges sich schenken und annehmen schaut anders aus!

Dienstag, Mai 06, 2008

Meine eigene Kanzlei

Seit dem 1. Mai bin ich nun ganz offizielle als kirchlicher Anwalt tätig. Mal sehen, ob der Versuch, von dieser Fachkunst zu leben, Erfolge zeigen wird.

Doch vor dem Erfolg kommt die Arbeit: Homepage bauen, Flyer gestalten, potentielle Klienten über meine Existenz informieren.

Schon in der Vergangenheit habe ich als Anwalt gearbeitet, und diese eigenartige Arbeit in der Spannung zwischen Rechtstkunde und Seelsorge macht mir viel Freude. Manchmal gewinnt man als Anwalt einen Eindruck davon, wie einsam Priester sein können, die einer Straftat verdächtigt werden.

Sonntag, Mai 04, 2008

Ehe - Sakrament oder Mysterium?

Mir wurde die Frage gestellt, wo der Unterschied liegt zwischen einer gültigen sakramentalen und einer gültigen nicht-sakramentalen Ehe? Denn eine solche Unterscheidung kennt das Recht in der Tat!

Die einfachste - aber kaum befriedigende - Antwort ist: Das eine ist ein Sakrament, das andere nicht.

Die nichtsakramentale Ehe, auch Naturehe genannt, ist ein Bund, in dem zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechtes sich gegenseitig schenken und annehmen in einer Intensität, die unvereinbar ist mit Trennung, die ja nicht weniger hieße als die Verwirklichung des Vorbehaltes, mein Geschenk wieder zurückzunehmen. Damit ist die Naturehe nicht weniger total als die sakramentale Ehe.

Eine solche Ehe unter Getauften wird vom Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben (c. 1055), das heißt sie wird Teil der Heilswirklichkeit. Der orthodoxe Begriff des mysterion macht das deutlicher: Diese Ehe ist Teil, Vorgeschmack, Ausstülpung des schon begonnenen, aber noch nicht vollendeten Reiches Gottes, der Ewigkeit. Eine solche sakramentale Ehe ist nicht mehr Ehe als andere, sie ist fundamental anders Ehe, weil sie nicht Ehe ist zwischen zwei zufällig auch getauften, sondern weil zwei aus Wasser und Geist Wiedergeborene sich vollkommen - also auch als Heilige und Kinder Gottes (würde Paulus sagen) - einander schenken und ganz empfangen.

Damit wird ein weiteres deutlich: Da Taufe und Christsein den ganzen Menschen betrifft und als Neugeburt aus Wasser und Heiligem Geist nicht rücknehmbar ist - ist jede Ehe zwischen zwei Getauften Sakrament, also Vorgeschmack der ewigen Seeligkeit und so der Verfügung durch Menschen entzogen. So begründet die römische Kirche die Unauflöslichkeit der Ehe und damit die Unmöglichkeit einer zweiten Ehe zu Lebzeiten des ersten Partners. Denn mit dem Tod eines Partners endet nach westlicher Denke die Ehe. Die Ursache für dieses Denkmodell liegt wohl in einem Verständnis der Ehe als Vertragsähnlichem Gebilde, das mit dem Tod eines Vertragspartners endet.

Das "Problem" der Orrthodoxie geht weit tiefer. Die Ehe ist nach Orthodoxer Theologie ein Mysterion, also ein Hineinwirken des Transzendenten oder des Ewigen in unsere Wirklichkeit. Ehe ist damit keine weltliche Angelegenheit mit himmlischen Folgen, eher müsste man sie als himmlische Angelegenheit mit irdischen Folgen verstehen.

Da Ehe sich nun in der Ewigkeit ereignet, kennt die Orthodoxie auch kein Ende der Ehe mit dem Tod eines Partners. Es ist mehr oder minder egal, ob sich der andere Partner im Ausland oder im Jenseits befindet, die Ehe bleibt erhalten.

Daraus ergeben sich wiederum pragmatische Probleme, es erscheint schlicht unbilig und heilsökonomisch fragwürdig, den sprichwörtlichen Witwer mit 5 Töchtern ohne Frau zu lassen. Also fand man einen Weg der die Erstehe nicht leugnet und die Zweitehe doch zulässt im Vertrauen auf die größere Gerechtigkeit Gottes, der auch auf krummen Zeilen gerade schreibt.

Wenn das nun aber bei verstorbenen Partnern geht, warum nicht auch bei gescheiterten Ehen. Die Sachlage ist dort ja keine andere!

Insofern geht die Orthodoxie in der Frage der Unauflöslichkeit einerseits weiter als die Lateinische Kirche, löst das sich ergebende Problem dann aber pragmatisch. Allerdings gibt es Grenzen, mehr als drei Ehen gehen meines Wissens nicht. Das hat wiederum disziplinäre Gründe....

Donnerstag, Februar 21, 2008

Neues Layout

Wie ich (außer mir liest das ja wohl kaum einer) sehen kann, habe ich ein netteres Layout gewählt. Das alte war doch zu finster!

Vatikan will Kirchenrecht ändern

Wie ich dem adventistischen Pressedienst entnommen habe, hat PCI-Präsident Bischof Coccopalmiero anlässlich der Tagung zum 25. Jahrestag der Promulgation des postkonziliaren Kodex erklärt, man wolle den CIC überarbeiten. Er bat die Fachwelt um Vorschläge, was geändert werden solle.

Als Teil dieser Fachwelt mache ich mir meine Gedanken. Der APD nennt natürlich sofort die Topwünsche der Szene: Die Verwaltungsgerichtsbarkeit (wäre auch meine Toppriorität) und einige Regelungen im Eherecht.

Aus meiner neuen Praxis als kirchlicher Strafverteidiger würde ich mir noch was wünschen:

  1. Anwendbare Strafnormen, in denen klar steht, was bestraft werden soll und was nicht.
  2. Verfahren zur Statusklärung: Zur Zeit kann sich ein Priester (und auch ein Laie) gegen mobbinghaftes Vorgehen seines Personalchefs nicht wehren
Und schließlich ein geregeltes Verfahren, wie man dem Codex entkommen kann - ein Kirchenaustritt, mit dem sich der Gläubige klar abgrenzen kann. Theologisch bleibt er getauft und Glied der Kirche Jesu Christi, aber warum muss es katholische Protestanten und evangelische Protestanten geben - wer gehen will, sollte gehen können (auch, wenn ich diesen Wunsch sehr bedauere).